Zuckerrüben sind ein fester Bestandteil der norddeutschen Landwirtschaft. Aus ihnen wird ein wichtiges Grundnahrungsmittel produziert, gleichzeitig sichern sie zahlreiche Arbeitsplätze im ländlichen Raum.
Was ist eigentlich Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit heißt, verantwortungsvoll mit natürlichen Ressourcen umzugehen – für heutige und zukünftige Generationen. Es geht um ein Gleichgewicht zwischen ökologischen, ökonomischen und sozialen Zielen.
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Einheit |
1994 |
2024 |
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Zuckerertrag |
t/ha |
8,7 |
13,6 |
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Stickstoffdüngung |
kg/ha |
150 |
100 |
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Mulchsaat |
% |
9 |
87 |
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Zwischenfruchtanbau |
% |
36 |
84 |
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Förderung der Artenvielfalt |
% |
<10 |
42 |
Nachhaltigkeit bedeutet für Rübenanbauer….
… mehr Menschen von der gleichen Fläche zu ernähren.
Im vergleich zu 1994 wurde der Zuckerertrag in Norddeutschland um 56% erhöht. Der Zuckerertrag beschreibt die tatsächlich erzielte Zuckermenge pro Hektar Anbaufläche. Er ergibt sich aus zwei weiteren Kennzahlen:
- Dem Rübenertrag - Das ist die Menge an geernteten Zuckerrüben pro Hektar, üblicherweise in Tonnen pro Hektar (t/ha) angegeben.
- Dem Zuckergehalt - Das ist der Anteil an Zucker (Saccharose) in der frischen Rübe, gemessen in Prozent.
Das bedeutet, heute ernten wir 56% mehr Zucker von der gleichen Fläche wie vor 20 Jahren. Der Zuckerertrag variiert von Feld zu Feld, von Region zu Region und in jedem Betrieb. Einflussfaktoren dafür sind die Witterungen, die Bodeneigenschaften und die Sorten.
… mit angepasster Düngung die beste Qualität zu ernten.
Im norddeutschen Zuckerrübenanbau werden im Durchschnitt nur noch 100 Kilogramm Stickstoffdünger pro Hektar eingesetzt. Der Bedarf der Zuckerrüben – also das, was sie zum Wachsen benötigen – liegt je nach Region und Witterung zwischen 120 und 180 kg Stickstoff pro Hektar. Der Stickstoffbedarf (N-Bedarf) ist ein zentraler Faktor für Ertrag und Qualität und muss standortangepasst sowie bedarfsgerecht gedeckt werden:
- Zu viel Stickstoff senkt den Zuckergehalt, fördert übermäßiges Blattwachstum und begünstigt Krankheiten.
- Zu wenig Stickstoff begrenzt den Ertrag.
Zudem wird bei der Herstellung von Düngemitteln viel CO₂ freigesetzt – ein exakter und sparsamer Einsatz hilft also auch, den CO2fußabdruck zu reduzieren.
… die natürliche Bodenstruktur zu schützen und das Bodenleben zu fördern.
Der Zuckerrübenanbau im Mulchsaatverfahren hat sich in Norddeutschland flächendeckend durchgesetzt. Dabei wird der Boden so wenig wie möglich bearbeitet. Die neue Kulturpflanze wird nicht in einen gepflügten Boden gesät, sondern in eine mit Pflanzenresten bedeckte Oberfläche. Diese Pflanzenreste stammen meist von der Vorfrucht oder einer Zwischenfrucht und bleiben nach der Bodenbearbeitung mit dem Grubber auf dem Acker liegen.
Das Verfahren bietet viele nachhaltige Vorteile:
- Erosionsschutz: Die Mulchschicht schützt vor Wind- und Wassererosion – besonders an Hanglagen.
- Wasserspeicherung: Die Mulchdecke reduziert die Verdunstung und hält den Boden länger feucht.
- Arbeitszeit & Kosten sparen: Weniger Überfahrten, z. B. kein Pflügen nötig.
- Beikrautunterdrückung: Die Mulchschicht kann das Auflaufen von Unkraut verringern.
… Insekten, Vögeln und anderen Wildtieren einen Lebensraum zu bieten.
Durch vielfältige Fruchtfolgen und Blühstreifen wird die Artenvielfalt im Zuckerrübenanbau gefördert.
Blühstreifen sind bewusst angelegte Bereiche mit blühenden Pflanzen, meist am Feldrand oder zwischen Ackerflächen. Sie dienen in erster Linie dem Schutz und der Förderung von Insekten und anderen Wildtieren.
Eine Fruchtfolge ist die geplante zeitliche Abfolge verschiedener Kulturpflanzen auf einem Feld über mehrere Jahre hinweg. Ziel ist es, den Boden fruchtbar zu halten, Krankheiten und Schädlinge zu vermeiden und den Nährstoffhaushalt zu optimieren. Fruchtfolgen sind das Fundament einer nachhaltigen Landwirtschaft. Sie verbessern den Boden, reduzieren den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln und sichern langfristig stabile Erträge – ökonomisch wie ökologisch sinnvoll.
… Humus aufzubauen und Nährstoffe im Kreislauf zu halten.
Der Nährstoffkreislauf und die Sicherung der Nährstoffe gehören zu den bedeutendsten Aufgaben im Ackerbau. Es geht darum, den gesamten Organismus „Boden“ zu fördern und zu erhalten. Nährstoffe sind nicht nur entscheidend für den erfolgreichen Anbau von Kulturpflanzen – sie dienen auch Bodenorganismen als Nahrung und sind essenziell für Prozesse wie die Photosynthese.
Angelehnt an die gute fachliche Praxis ist der Zwischenfruchtanbau eine der wichtigsten Maßnahmen dafür. Zwischenfrüchte sind Pflanzen, die zwischen zwei Hauptkulturen angebaut werden – zum Beispiel nach der Getreideernte und vor der Aussaat von Zuckerrüben. Sie nehmen wichtige Nährstoffe aus dem Boden auf, speichern diese in ihren Zellen und verhindern so die Auswaschung. Da sie auf dem Feld verbleiben und vor der Aussaat der Folgekultur zerkleinert werden, werden die gespeicherten Nährstoffe nach und nach wieder freigesetzt – und stehen der Hauptkultur zur Verfügung.
Übrigens: Die „Ernährung“ des Bodens besteht aus ähnlichen Mineralstoffen wie beim Menschen. Deshalb wird bei der Auswahl von Zwischenfruchtmischungen auf eine vielfältige Zusammensetzung geachtet. Leguminosen zum Beispiel sind besonders eiweißreich.
Weitere Vorteile von Zwischenfrüchten:
- Bodenschutz
- Erosionsvermeidung
- Unterbrechung von Krankheits- und Schädlingszyklen
Dass wir den Zuckerrübenanbau in den letzten 20 Jahren flächendeckend nachhaltig deutlich verbessert haben, ist nicht auf eine einzelne Maßnahme zurückzuführen. Erst das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen hat diesen Fortschritt möglich gemacht.
Gemeinsam – durch erfolgreiche Züchtung und Forschung – ist dein Rübenzucker: Natürlich. Nachhaltig.