Die Zuckerrübe ist seit über 185 Jahren eine wichtige Kultur in Norddeutschland. Nachhaltig wird bereits seit Generationen gewirtschaftet und in vielen Bereichen konnten beachtliche Fortschritte für den Zuckerrübenanbau erzielt werden.
• Der Betriebsmitteleinsatz wurde deutlich reduziert – bei gleichzeitig hohen Ertragssteigerungen.
• Boden- und Klimaschützende Verfahren sind mittlerweile Standard.
Das macht den modernen Zuckerrübenanbau hoch effizient und nachhaltig.
Ertragssteigerung und effiziente Düngung
Mineralische Düngung ist die größte Quelle von Treibhausgasemissionen im Ackerbau. Bei der Herstellung von Düngemitteln entstehen Kohlendioxid-Emissionen (CO2) und Umwandlungsprozesse auf dem Acker führen zur Freisetzung von Lachgas (N2O). Zusammen verursachen sie mehr als 75 % des CO2-Fußabdrucks der Zuckerrübe. In den vergangenen Jahrzehnten wurde die mineralische Stickstoff-Düngung im Rübenanbau bereits erheblich reduziert (von mehr als 200 auf ca. 100 kg N/ha). Gleichzeitig stieg der Zuckerertrag von ca. 5 t/ha auf fast 14 t/ha (siehe Abbildung 1). Brauchte man damals noch ca. 40 kg Stickstoff, um eine Tonne Zucker zu erzeugen, so sind es heute nur noch 8 Kilogramm. Dies wurde durch leistungsfähigere, schädlingsresistente Sorten, optimierte Anbaumethoden und neue Pflanzenschutzmittel ermöglicht. Der Stickstoffeinsatz befindet sich mittlerweile auf einem effizienten Niveau, zusätzliche Einsparungen sind nur begrenzt möglich Unterfuß- oder platzierte Düngung könnten diesbezüglich Ansätze sein.
Einen anderen Ansatz verfolgt die Nutzung von „grünem Dünger“. Hierbei werden z.B. Stickstoff- oder Kalidünger mit erneuerbaren Energien statt fossilen Brennstoffen produziert, wodurch ihr CO2-Fußabdruck sinkt. Jedoch sind diese Düngemittel oft teurer und es stellt sich die Frage, ob diese Kosten langfristig von der Wertschöpfungskette ohne Nachteil für die Landwirte getragen werden.
Abbildung 1: Entwicklung von Stickstoffeinsatz und Zuckerertrag in den letzten 50 Jahren
Beitrag zu Bodenstruktur und Biodiversität
Auf mehr als 80 Prozent der Rübenflächen werden im Herbst und Winter Zwischenfrüchte angebaut (Abbildung 2). Sie binden über den Winter Stickstoff und vermindern die Auswaschung von Nitrat. Vielerorts ist außerdem die Mulchsaat – also das Säen in die Erntereste der Vorfrucht nach einer Lockerung des Bodens - gängige Praxis. Auf etwa 85 Prozent der Fläche wird auf eine wendende Bodenbearbeitung vor der Rübenaussaat verzichtet (Abbildung 3). Hierdurch bildet sich mehr Humus im Boden, in dem CO2 gespeichert wird. Weitere Vorteile der Mulchsaat sind der Erosionsschutz und eine bessere Wasserverfügbarkeit. Zusätzlich wird im Vergleich zu einer tiefen Bodenbearbeitung Dieselkraftstoff eingespart. Beide Verfahren – Zwischenfruchtanbau und Mulchsaat – haben sich in den vergangenen 30 Jahren von der Ausnahme zum Standard entwickelt.
Abbildung 2: Zwischenfruchtanbau – bewährt und weit verbreitet
Abbildung 3: Mulchsaat – von der Ausnahme zum Standard
Fortschritt durch Züchtung
Die Pflanzenzüchtung hat im Rübenanbau in den zurückliegenden Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gebracht. So sind die Ertragssteigerungen etwa zu 50 Prozent der Züchtung zuzuschreiben. Viele Schaderreger im Rübenanbau konnten nur auf züchterischem Wege bekämpft werden (Rizomania, Rhizoctonia, …). Ohne Züchtungsfortschritte wäre der Rübenanbau heute nicht mehr wettbewerbsfähig. Auch für Zukunftsherausforderungen wie Trockentoleranz, Lagerfähigkeit oder Schädlingsresistenzen ist die Züchtung von höchster Bedeutung. Moderne Züchtungstechniken eröffnen neue Möglichkeiten, um Sorten schneller als bisher zu entwickeln. Dies ist ein zentraler Baustein für Ertragsstabilität und um mit weniger Pflanzenschutzmitteln auszukommen.
Pflanzenschutz: so wenig wie nötig
Der Integrierte Pflanzenschutz ist seit Jahrzehnten Standard im Rübenanbau. Resistente Sorten, weite Fruchtfolgen und Schädlingsmonitoring reduzieren benötigte Menge auf das Nötigste. Jedoch wurden viele Wirkstoffe verboten, was die Bekämpfung von Unkräutern und Insekten erschwert.
Neue Technologien wie Robotik und Spot-Spraying könnten helfen, stecken aber noch in den Anfängen. Hier sind politische und gesellschaftliche Offenheit für die Digitalisierung in der Landwirtschaft gefragt. Darüber hinaus kann es durch den reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu Zielkonflikten zwischen Biodiversität und Klimaschutz kommen. Werden aufgrund von Wirkstoff-Verboten weniger effiziente Pflanzenschutzmittel eingesetzte, kann dies zu mehr Feldüberfahrten und somit einem höheren Dieselverbrauch führen. Auch schleppergezogene Hacktechnik für die Unkrautbekämpfung kann einen höheren Dieselverbrauch zur Folge haben.
Fazit
Der Rübenanbau hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Umweltleistungen erbracht. Die Abbildung 4 zeigt deutliche Verbesserungen in den letzten 30 Jahren. Diese Fortschritte müssen in der aktuellen Debatte um Nachhaltigkeit und Klimaschutz anerkannt werden. Von Zuckerabnehmern werden messbare Kennzahlen gefordert, doch die Klimabilanz im Ackerbau ist schwer zu erfassen. Emissionen auf dem Feld hängen von vielen Faktoren ab, darunter Witterung, Bodenstruktur und Fruchtfolge. Für eine genauere Erfassung ist weiterer Forschungsbedarf erforderlich.
Abbildung 4: Die Zuckerrübenanbauer haben bereits viel für einen nachhaltigen Anbau erreicht