Am vergangenen Mittwoch (15.10.2025) fand auf Einladung von Südzucker eine großangelegte Veranstaltung zum Themenkomplex SBR/RTD statt. Anwesend waren etwa 150 Teilnehmer aus Zuckerindustrie, Anbauverbänden, Offizialberatung und Wissenschaft sowie einige mit mehrjährigen persönlichen Erfahrungen geprägte landwirtschaftliche Praktiker.
Als Auftakt erfolgte eine Exkursion in die Hotspot-Region bei Heilbronn, wo anhand verschiedener Standpräsentationen die Entwicklungsgeschichten, Befallsverläufe und Schadbilder bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Feldgemüse vorgestellt wurden. Einen besonderen Schwerpunkt dabei bildeten die Erfahrungen der landwirtschaftlichen Praktiker vor Ort. Im Anschluss folgten wissenschaftliche Präsentationen verschiedener Referenten, die jeweils intensiv diskutiert wurden. Inhaltlich entsprachen diese im Wesentlichen den u.a. bereits bei der Göttinger Zuckerrübentagung vorgestellten Forschungsarbeiten, die teilweise auch schon publiziert sind. Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass erste Fortschritte bei der Bekämpfung des Vektors Schilfglasflügelzikade mittels gezielter Insektizidanwendungen erreicht werden konnten. Gleichwohl besteht weiterer umfassender Forschungsbedarf, der von den betroffenen Wirtschaftsakteuren ohne öffentliche Förderungen nicht allein gestemmt werden kann. Namhafte Wissenschaftler fordern die konsequente Fortführung von integrierten und fruchtartenübergreifenden Bekämpfungsstrategien. Dabei sollten auch vorbeugende Maßnahmen, wie z.B. die Beizung mit Insektiziden keine Tabus mehr darstellen.
Stellungnahme von CIBE, EUPPA, EUROPATAT und VHPZ zum Risiko Zikade
Die Pflanzengesundheit in Europa steht vor einer beispiellosen Herausforderung. Durch Vektoren übertragene Krankheiten breiten sich zunehmend schneller aus und bedrohen wichtige Kulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und andere Gemüse-arten – und damit die europäische Ernährungssicherheit sowie die Stabilität ganzer Wertschöpfungsketten. Besonders besorgniserregend sind die bakteriellen Erreger ‘Candidatus Phytoplasma solani’ und ‘Candidatus Arsenophonus phytopathogeni-cus’. Beide werden von der Zikadenart Pentastiridius leporinus übertragen. Ihre Ausbreitung wird durch den Klimawandel, kontraproduktive Auflagen sowie den Verlust mehrerer wirksamer Pflanzenschutzmittel in den letzten Jahren erheblich begünstigt. Die Auswirkungen von Pentastiridius leporinus sind bereits in mehreren EU-Mitgliedstaaten – vor allem in Deutschland und den Nachbarländern – deutlich spürbar. Landwirtinnen und Landwirte berichten über erhebliche wirtschaftliche Ver-luste und kaum verfügbare Bekämpfungsmöglichkeiten. Die Situation wird zusätz-lich dadurch verschärft, dass es weder ausreichend wirksame Pflanzenschutzmittel gegen Zikaden noch genügend gezielte Forschung gibt. Ohne wissenschaftlich fundierte Studien und praxisnahe Lösungen bleibt die Bekämpfung dieses Schäd-lings äußerst schwierig. Dadurch geraten ganze Wertschöpfungsketten, die auf ver-lässliche Mengen hochwertiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse angewiesen sind, um Produktionsniveaus und Verbrauchernachfrage zu sichern, zunehmend unter Druck. Angesichts dieser Herausforderungen fordern CIBE, EUPPA, Europatat und VHPZ die Europäische Kommission und die nationalen Behörden auf:
• Die Investitionen in Forschung zu erhöhen, einschließlich einer Förderung über Horizon Europe, um die Biologie und Epidemiologie der Zikade besser zu verstehen und wirksame Kontrollmaßnahmen zu entwickeln.
• Die Entwicklung und Zulassung wirksamer, erschwinglicher und sicherer Pflanzenschutzlösungen zu unterstützen.
• Ein koordiniertes europäisches Monitoring- und Informationssystem zu för-dern, um Befallsherde frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.
• Notfallmaßnahmen für betroffene Betriebe bereitzustellen, finanziert durch die EU und die betroffenen Mitgliedstaaten, um Ertragsverluste durch Zika-denbefall abzufedern.
• Den weiteren Abbau des Pflanzenschutz-Werkzeugkastens zu stoppen, d. h. keine weiteren Verbote oder Einschränkungen bestehender Wirkstoffe zu verhängen, solange keine praktikablen (wirksamen, erschwinglichen, verfüg-baren und umsetzbaren) Alternativen entwickelt wurden.
Nur durch rasches und koordiniertes Handeln kann Europa wirksam auf diese Be-drohung reagieren und seine landwirtschaftliche Produktion schützen. Die Zikade steht beispielhaft für zahlreiche weitere Schaderreger, gegen die Zuckerrüben- und Kartoffelanbauerinnen und -anbauer derzeit nur unzureichende Bekämpfungsmög-lichkeiten haben – und für die ähnliche Maßnahmen notwendig sind. Das Problem verschärft sich weiter, da auch andere Zikadenarten wie Hyalesthes obsoletus als Überträger verschiedener Krankheitserreger auftreten. Dadurch wird es für europäi-sche Landwirtinnen und Landwirte zunehmend schwieriger, ihre Kulturen zu schützen.